Immer mal wieder werde ich gefragt, wie auch dieses Jahr, warum es in #Wittershausen keinen Volkstrauertag gibt. Gleich vorab, den gibt es natürlich auch hier. Allerdings zu einem anderen Termin mit ganz eigener Geschichte.

Erinnerung an Kriegstote

Der Volkstrauertag erinnert an die Kriegstoten und Opfer der Gewaltbereitschaft und Gewaltherrschaft aller Nationen. Er wird zwei Sonntage vor dem ersten Advent, also stets im November begangen. Dieses Jahr war der Termin vor einer Woche am 17.11.2019. Es finden in fast allen Orten Gedenkgottesdienste statt, im Kern ist der Volkstrauertag aber kein religiöser, sondern ein staatlicher Feiertag. Der Gedenktag findet bereits seit 1925 deutschlandweit statt.

Wittershäuser Gelöbnis

Auch in Wittershausen gibt es einen Gedenktag für die Vermissten und Gefallenen der Kriege. Dieser wird jedoch jährlich Angang Januar begangen. Denn im Jahr 1920, also sogar noch vor der Einführung des Volkstrauertags, errichteten die Wittershäuser ein Kriegerdenkmal und die Eltern der vermissten oder gefallenen Soldaten stifteten ein Seelenamt. Die damals eigenständige Gemeinde Wittershausen sorgte für den Schmuck des Denkmals.

Die Bezeichnung für dieses Gedenken ist in Wittershausen „Heldengedenktag“. Trotz zwischenzeitlicher Diskussion über die Problematik dieser Bezeichnung im Hinblick auf die Schrecken der NS-Zeit hat sich der Name gehalten. Ich persönlich denke auch, dass man die Begrifflichkeit hier nicht überbewerten sollte.

Nachtrag 03.03.2020:
Nachdem über den Namen „Heldengedenktag“ die Nähe zum namensgleichen Feiertag in der NS-Zeit (hier eine ausführliche Information zum Thema) hergestellt wird, ist es in einer politisch aufgeheizten Zeit notwendig, eine Klarstellung zu beziehen.
Die Bezeichnung in Wittershausen dürfte aus einer Zeit vor der NS-Herrschaft stammen. Ein nationalsozialistischer Hintergrund besteht definitiv nicht. Allerdings bin ich mir der Begrifflichkeit durchaus bewusst, denn die Holocaust-Forschung und die Erinnerung an die Schrecken des Deutschen Reiches sind mir ein wichtiges Anliegen. Daher verwende ich als Schriftführer der Feuerwehr, die diesen Tag federführend pflegt, seit 2012 den Namen „Totengedenktag“ in allen Veröffentlichungen. Die ursprüngliche Darstellung hier soll aber nicht verschweigen, wie der Tag tatsächlich benannt wurde. Ich kann versichern, dass der Ort Wittershausen in keinerlei Sympathie mit Nazi-Traditionen steht.

Die Schicksale der örtlichen Soldaten aus dem zweiten Weltkrieg hat Hans Dünninger ausführlich vor zwei Jahren in seinem Werk „Die Kriegsteilnehmer aus Wittershausen – Eine Dokumentation gegen das Vergessen“ niedergeschrieben. Hier ist auch die ergänzte und restaurierte Kriegertafel zu sehen.

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