Bei der letzten Gemeinderatssitzung konnte ich kein Besucher sein, weil ich einen Platz beim Mitmischen des Bayerischen Rundfunks ergattert hatte. Die Fahrt nach München war es definitiv wert, denn so einen Einblick in eine professionelle Redaktion bekommt man wirklich nicht alle Tage. Für alle Interessierten gibt es hier ein paar Eindrücke von meinem Tag bei BR24.

Riesiger Komplex

Gleich zu Beginn ist man begeistert von dem Riesenareal in der Floriansmühlstraße in München:

Kaum steigt man aus der eigenen Bushaltestelle aus, ist man mitten im Geschehen. Denn auf dem Campus laufen unzählige Menschen rum und daneben finden sich noch Übertragungswagen und dergleichen. Die Kantine mit wirklich reichlich Auswahl, in der wir auch ein leckeres Mittagessen genießen durften, liegt zentral.

Bilder machen ist hier übrigens gar nicht so einfach, weil ständig Leute auf die Fotos kommen und das poste ich natürlich nicht ohne Einwilligung.

Redaktionsbesprechung

Erste Station war die Redaktionsbesprechung um 11 Uhr. Eins vorweg: Es herrscht im ganzen Haus eine unglaublich lockere und angenehme Arbeitsathmosphäre. So war es auch hier gleich zum Start. An einem anderen Tag wurde das auch gefilmt, hier bekommt man einen Eindruck dazu.

Nachdem dann alles geklärt war, durfte ich in einen der Bereiche, die mich interessierten und dort direkt einen Einblick gewinnen.

Faktenfuchs

Nachdem ich fakten- und wissenschaftsbasiertes Arbeiten liebe, ging es für mich in die Abteilung Faktenfuchs. Hier war ein Mitarbeiten natürlich kaum möglich, denn so tiefgehende Artikel erstellt man nicht mal eben nebenbei. Ich durfte mir von der freundlichen Jenny zeigen lassen, mit welchen Tools und Verfahren sie dort arbeiten und welche Probleme es mit so ausführlichen Artikeln gibt.

Einiges davon habe ich schon immer berücksichtigt, viel neues ist auch dazu gekommen. Es war auf jeden Fall eine Bereicherung für meine privaten Recherchen und natürlich werde ich das Neugelernte auch in Zukunft hier entsprechend umsetzen.

Redakteur vom Dienst

Nach dem Mittagessen ging es dann in die große Redaktion zum sog. „RvD“. Hier werden alle fertigen Artikel, die BR24 online und in der App zur Verfügung stellt, gegengelesen und mit bestehenden Inhalten verknüpft. Vor allem das Finden von Fehlern ist eine recht anstrengende Arbeit für Augen und Hirn, macht aber unglaublich Spaß.

Ich habe mir extra mal ein paar Korrekturen gemerkt:
Beim Tierpark-Check waren es unter anderem die Punkte bei den Tausenderzahlen (also „5.000“ statt „5000“). Klingt marginal, ist aber für die Einheitlichkeit und das flüssige Lesen am Monitor wichtig.
Beim Mathe-Abi haben wir ein paar Sätze umgestellt und, viel wichtiger, eine Ewigkeit nach einer brauchbaren Überschrift gesucht.
Und schließlich konnte ich einmal wirklich inhaltlich einen Fehler finden: Beim Artikel zum E-Auto hieß es nämlich zuerst, es gebe einen „Bonus vom Finanzamt“. Jetzt gibt es auch im Artikel richtig den „Bonus vom Zoll“, denn nur das ist richtig. 🙂

Vernetzung

Man sieht also, die Arbeit ist unheimlich komplex. Ein Redakteur muss schon viel Hintergrundwissen besitzen und genau recherchieren, dass nicht ein kleiner Lapsus durchrutscht. Das ist natürlich bei der Menge an Artikeln trotzdem nicht zu vermeiden.

Erstaunt war ich wirklich von der Vernetzung des Teams. Das war ein echter Vorteil des Großraumbüros, das ich sonst nur aus amerikanischen Filmen kannte. Die Spezialisten für Social Media und Suchmaschinenoptimierung sitzen eben gleich dabei und kümmern sich um einwandfreie Artikel.

Am mittleren großen Monitor im Hintergrund kann man erkennen, wie die Zugriffs- und Reaktionszahlen auf die einzelnen Artikel sind. Darauf reagiert das Team dann entsprechend und liefert weitere Informationen oder eben nicht. Man hat also das Ohr am Kunden.

Geheimnisse…

Nun bin ich ja aus meinem Job Verschwiegenheit gewohnt, das Steuergeheimnis in Deutschland ist schließlich kein Spaß. Trotzdem durfte ich miterleben, wie die Zahlen aus dem Deutschlandtrend bereits drei Stunden vor ihrer Veröffentlichung um 18 Uhr für Wirbel sorgten. Denn die Grünen lagen erstmals vor der Union.

Auf Nachfrage wurden mir dann auch ein paar Grundsätze des Informatenschutzes und der Geheimhaltungsstufen zwischen den Journalisten erklärt. Wirklich interessant, was es dort für eine Unmenge an (noch) geheimen Informationen gibt.

Fazit

Geniale Aktion! Es hat mir unglaublich Spaß gemacht, einmal hinter die Kulissen in dieser Größenordnung zu schauen und ich werde künftig die Artikel mit anderen Augen lesen. Fast etwas Mitleid hatte ich mit dem Verantwortlichen für die sozialen Medien. Er muss sich mit unwahrscheinlich viel Hass und Unsinn in den Kommentaren herumschlagen.

Klasse ist auch die Betreuung rund um das Projekt. Man bekam schon vorab alle Infos und der Tag wird nun noch mit einem Feedback aufgearbeitet.

Auch wenn es viele gerade im Netz nicht gerne lesen: Die Rundfunkgebühr ist für diesen Qualitätsanspruch hervorragend angelegt.

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