Der Nationalpark gibt immer noch keine Ruhe

Im April 2018 hatte der frisch gewählte Ministerpräsident Markus Söder das Thema eigentlich für erledigt erklärt: Es soll aktuell kein weiterer #Nationalpark in Bayern ausgewiesen werden.

Trotzdem bleibt das Reizwort #NP3 in den Medien weiterhin bestehen. Die Befürworter geben nicht auf und versuchen weiter auf die Einrichtung hinzuarbeiten. Aufwind bekamen sie zuletzt durch das gute Wahlergebnis der Grünen, die einen weiteren Nationalpark als eine Hauptforderung in ihrem Wahlkampfkatalog hatten.

Gutachten relativiert

Ich bin ein Freund der Wissenschaft und Fakten. Das hatte ich auch zur vorangegangenen „Gutachtenschlacht“ bei diesem Thema betont. Jetzt hat sich der Gutachter des umstrittenen Gutachtens, auf das sich die Befürworter hauptsächlich gestützt haben, persönlich zur Qualität seines Werks geäußert:

„Wenn wir normalerweise Nationalparks mit der etablierten Standardmethodik untersuchen, sind wir 20-mal pro Jahr vor Ort. In Bayern mussten wir alles quick and dirty machen, also ganz schnell und oberflächlich. Wir haben überhaupt keine Erhebungen im Gelände durchgeführt, hatten nur ein Vierteljahr Zeit. Wissenschaftlich muss man das kein bisschen ernst nehmen. Wir haben sehr schlechte, kaum belastbare Zahlen bekommen, auch weil die Landesforsten keine regionalisierten Daten geliefert haben, und mussten damit eine Milchmädchenrechnung machen. Letztlich habe ich dem Umweltministerium einfach einen Gefallen getan. Ich dachte mir schon, dass daraus nichts wird.“
Prof. Hubert Job, nordbayern.de

Soll letztlich heißen, dass die Zahlen zu Touristenströmen, Wegfall von Nutzholz, etc. auf sehr wackeligen Beinen standen und das haben sich die Gegner in der Debatte zu Nutze gemacht.

Meinung

Wir werden hier mit einem Nationalpark im Moment nicht glücklich werden. Allein der Begriff spaltet die Bürgerinnen und Bürger. Die Entscheidung Söders, das Thema aktuell für beendet zu erklären, ist vollkommen richtig. Man kann aktuell immer noch nicht sachlich heran gehen und sollte daher nicht weiter ein so Streit stiftendes Projekt verfolgen.

Enttäuscht bin ich vom Gutachten und dem Gutachter im Auftag der Staatsregierung. Nun bin ich schon beruflich bedingt eher skeptisch gegenüber Gutachten. Dennoch habe ich etwas mehr in die Arbeitsweise unserer Landespolitik vertraut. Ein solches Werk abzuliefern ohne die jetzt genannte Problematik in den Daten aufzuzeigen finde ich ebenfalls unwürdig.

#Naturschutz hat so viele Ebenen, wir müssen uns nicht mit aller Gewalt auf das umstrittenste Projekt stürzen. Tourismus wird den ländlichen Raum ohnehin nicht retten, zumal unserer Region sämtliche Struktur dazu fehlt. Wir sollten an unserem Biosphärenreservat arbeiten und den Naturschutz in Projekten wie dem Grüngitter mit der bestehenden Struktur besser verzahnen.

Gesetze, Strukturen, Landschaften und Menschen verändern sich. Einen kategorischen Ausschluss eines Nationalparks Rhön für alle Zeiten kann es daher nicht geben. Aktuell und mittelfristig sehe ich eine Umsetzung dieses Vorhabens jedoch als unmöglich an!

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