BN bemängelt die KG13 bei Wittershausen – Und sagt nur die halbe Wahrheit!

Als ich heute einen Artikel zum Flächenfraß durch Förderfehler in der BSZ las, war ich schon ein bisschen verärgert. Nicht einmal wegen des Inhalts, an jeder Maßnahme gibt es Kritik und Lob, sondern weil ich etwas mehr zum Hintergrund weiß, als da kommuniziert wurde.

Der Bund Naturschutz (BN) bemängelt den seiner Ansicht nach sinnlosen #Flächenverbrauch im kommunalen #Straßenbau. Diese #Straßen würden in der aktuellen Form nur wegen der staatlichen Zuschüsse gezahlt.
Dieser Pauschalvorwurf sei einmal dahingestellt, denn nur aus der ökologischen Sicht zu argumentieren, greift zu kurz.

Kontaktaufnahme

Die KG13 hatte man sich wohl als eines der unnützen Projekte ausgesucht und so suchte man Kontakt zu Betroffenen vor Ort. Es meldete sich bei mir am 19.06.2018 ein Herr Hartwig Gernot, der über das Kontaktformular folgende Nachricht sendete:

„Betreff: Straßenbau Wittershausen – Garitz

Sehr geehrter Herr Bahn,
ich bin Sprecher des LAK Verkehr im BUND Naturschutz in Bayern. Für eine Fachveranstaltung zum Zuschusswesen in Bayern benötigen wir zur genannten Straße noch einige Infos.
1) Was sie unumstritten? (evtl. Presseartikel)
2) Endgültige Bausumme und Verkehrsfreigabe.
3) Wie breit war die vorhandene Straße vorher?
4) Gab es schwere Unfälle? Mehr als üblich? 
usw.
Darf ich Sie anrufen?
Mit freundlichem Gruß“

Da ich beruflichen ein paar Tage unterwegs war und ich ohnehin bei solchen Anfragen gerne im Nachhinein weiß, was besprochen wurde, entschied ich mich für eine Antwort per Mail:

„Sehr geehrter Herr Gernot,
ich bin kein Vertreter der Gemeinde Oberthulba und auch kein Mitglied im aktuellen Marktgemeinderat. Meine Auskünfte sind rein privater Natur. Zu Ihren Fragen:

1. Die Straße war im Wesentlichen unumstritten. Öffentliche Äußerungen gegen das Bauvorhaben sind mir nicht bekannt. Die Erneuerung der Straße war lange überfällig und von der überwiegenden Mehrheit der Bürger gewünscht. Auch der Radweg ist ein beliebter und viel genutzter Bonus der Straßenerneuerung.
2. Hierfür wenden Sie sich bitte an die zuständige Baubehörde im Landratsamt Bad Kissingen.
3. Auch hierfür verweise ich auf die Baubehörde. Gefühlt hat sich keine wesentliche Verbreiterung ergeben.
4. Vor der Erneuerung war die KG13 Unfallschwerpunkt mit teilweise schweren Pkw- und Motorradunfällen. Im Jahr 2016 (vor Umbau) gab es zuletzt drei Einsätze der FFW Wittershausen auf der KG13. Seit der Freigabe nach Erneuerung ist mir kein einziger Unfall mehr bekannt. Es hat also objektiv zu einer Verbesserung der Situation beigetragen.

Weitere Fragen stellen Sie mir gerne per E-Mail.
Mit freundlichen Grüßen aus Wittershausen“

Voreingenommen?

Bereits anhand der Fragestellung war ich mir nicht sicher, ob die vermeintlich objektive Betrachtung des Straßenneubaus nicht doch in eine negative Richtung gehen sollte. Und nun tauchen genau diese Punkte in der Presse auf:

„Unsinnig“ sei dieser gewesen, schimpfen sie, und „wegen des geringen Verkehrsaufkommens in dieser Form nicht notwendig. Durch die Maßnahme gingen vier bis acht Hektar wertvoller Wald verloren. Die erfolgten Begradigungen veränderten und verschlechterten das Landschaftsbild erheblich. Durch die nun nach dem Ausbau möglichen höheren Fahrgeschwindigkeiten nimmt die objektive Verkehrssicherheit auch nach dem Ausbau nicht zu.“

Artikel zum Flächenfraß durch Förderfehler in der BSZ

War eigentlich einmal jemand vom BN vor Ort?

  • Das Verkehrsaufkommen kann für die Verbindung nach Bad Kissingen wohl kaum als gering bezeichnet werden. Die Straße entspricht einer regulären Verbindungsstraße mit zwei Fahrtrichtungen. Hätte man hier einen Feldweg bauen sollen?!
  • Der zusätzliche Flächenbedarf liegt hauptsächlich am Ausbau des Radwegs. Dieser ist stark frequentiert und bietet endlich eine verkehrssichere Lösung zu Fuß oder mit dem Rad nach Bad Kissingen oder zur „Wildfuhr“ zu gelangen.
  • Das Argument „Verschlechterung des Landschaftsbilds“ ist wohl ziemlich subjektiv. Ich kenne niemanden, insbesondere auch der älteren Generation, der das anführt. Der größte Teil des Weges wurde nicht verändert.
  • Insbesondere der Punkt der nicht verbesserten Verkehrssicherheit ist schlicht falsch. Wie ich Herrn Gernot mitgeteilt habe, ist die Verkehrssicherheit bereits jetzt objektiv messbar gestiegen. Vor dem Neubau der Straße gab es kein Jahr ohne Einsätze dort. Das ist nun nicht mehr der Fall. Vor allem gibt es keine Personenschäden mehr seither.
    Wenn man schon nachfragt und dann auch noch Antwort bekommt, sollte man diese Tatsachen nicht geschickt unterdrücken, sondern explizit darauf hinweisen, dass ein Unfallschwerpunkt nun beseitigt ist.

Keine gute Figur

Bisher stand ich zwar vielen Aussagen des BN kritisch gegenüber, konnte aber meist der Argumentation etwas abgewinnen. Der Einsatz für die Natur ist wichtig. Ich verweigere mich dem nicht, das dürften so ziemlich alle wissen, die mich persönlich kennen. Schließlich war ich nicht nur als Kind (mit meinem Vater) in Wald und Flur unterwegs, sondern bin es noch heute.

Trotzdem will ich diesen „Halbwarheiten“, die der BN hier anprangert für unsere Heimat einmal ganz deutlich entgegen treten. Es steht dem BN nicht gut zu Gesicht, auf diese Art Stimmung zu machen. Man sollte schon bei den Fakten bleiben und der Ausbau der KG13 war richtig.

Ich stand der Sache mit entschärften Kurven und Radweg anfangs auch skeptisch gegenüber, weil ich dachte, das wird eine Autobahn und keiner nutzt den Radweg. Aber ich habe auf die Planungen vertraut und die Leute in den Planungsbüros wissen dann eben doch meistens, wie sie ihren Job zu machen haben. Und der Radweg ist die beste Maßnahme um #Wittershausen herum seit langem gewesen!

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6 Gedanken zu „BN bemängelt die KG13 bei Wittershausen – Und sagt nur die halbe Wahrheit!

  1. Willkommen im echten Leben. Pressefreiheit ist keine Einbahnstraße, man kann sie so oder so nutzen. Im Kampf um die Meinungshoheit ist jedes Mittel recht, von daher ist es umso wichtiger, dass unabhängige Menschen versuchen andere Sichtweisen darzustellen.
    Von daher ist ihr Ansatz zweifelsohne mehr als zu begrüßen.

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    1. Das ist schon in Ordnung, wenn man seinen Standpunkt etwas nachdrücklich in die Presse bringt. Ich lebe ja nicht hinterm Mond… 😉

      Allerdings halte ich solche Ansätze einer beispielhaften Darstellung einzelner Orte für vollkommen daneben, wenn man nicht handfeste Fakten vorbringen kann.

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  2. Vielleicht ist das Beispiel mit der KG 13 nicht ganz glücklich gewählt. Aber der BN hat mit seinen Äußerungen auch nicht unrecht. Die aktuellen Staßenplanungen richten sich oftmals nicht an die öffentlichen Gegebenheiten wir Topographie oder schützenswerte Biotope. Straßen werden verbreitet, Kurvenradien angepasst, Sichtweiten berücksichtigt, sodass es oftmals auch zu extrem Auffüllung oder Abgrabungen kommt. Hier stellt sich die Frage, ob das in vielen Fällen notwendig ist. Auch die Tatsache, dass Radwege direkt neben die Straßen gebaut werden müssen, führt dazu daß extreme Schneisen entstehen, die keine Rücksicht aufs Landschaftsbild nehmen.

    Die Anpassung im Fall der KG 13 waren verkehrssicherheitstechnisch sicher notwendig. Es gibt sicher gravierendere Beispiel im Straßenbau als Beispiel anzuführen.

    Wünschenswert wäre ein Umdenken im Straßenbau, dass nicht jeder Kreisstraße so ausgebaut wird, dass sie mit 120 km/h unfallfrei zu befahren ist – Uneinsichtige Kuppen abgetragen werden. Lieber sollte man sich als Autofahrer den Gegebenheiten der Straße anpassen und durch Hinweisschilder und Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Gefahrenstrecken aufmerksam machen.

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    1. Liebe Natascha,

      das Beispiel ist nicht „nicht ganz glücklich gewählt“, sondern schlicht an den Haaren herbeigezogen. Offensichtlich hat sich niemand vom BN über die Kontaktaufnahme mit mir hinweg ernsthaft mit dem Thema beschäftigt. Dann so „mutig“ zu sein, das als Beispiel einer Fehlplanung anzunehmen, zeugt von der Qualität der Äußerungen.

      Ja, Naturschutz ist wichtig, und ja, im Straßenbau kann man sicher einiges optimieren, aber mit solchen Inszenierung erreicht man nur das Gegenteil.

      Den Ansatz beim Verkehrsteilnehmer zu machen, ist ein heeres Ziel. Der 19-jährige Fahranfänger muss dann wohl trotzdem wegen Übermut seine Erfahrungen machen. Hoffentlich macht er die dann alleine.

      Nein, da stimme ich dir nicht zu: Wir brauchen sichere und sinnvolle Straßenplanung. Das schließt jedoch Naturschutz nicht aus. Gerade an der KG13 sieht man die Verbesserung, bei denen zumindest ich keinen gravierenden Eingriff in die Natur erkennen kann.

      Wenn alle Forderungen des BN auf solch einer Faktenlage basieren, muss ich meine positive Grundhaltung gegenüber solchen Organisationen ernsthaft überdenken.

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  3. Lieber Daniel,
    Sicher und sinnvoll und nicht überplant ….

    Leider wird durch deinen Fokus auf das gewählte Beispiel der KG 13 vom eigentlichen Inhalt des Artikels abgelenkt…den Richtlinien für die Förderung.
    „Es passiere in Bayern häufig, dass Gemeindestraßen überbreit ausgebaut werden, nur weil dies die Förderrichtlinien verlangen. „Damit wird noch mehr Fläche verbraucht und Steuergeld wird zusätzlich zum Fenster hinausgeworfen.“

    Ansonsten gilt immer der Grundsatz des angepassten Fahren.

    In der Regel wird durch die Gesetzeslage und den geforderten Kompensationsmaßnahmen der Eingriff in die Natur geregelt und die Untere Naturschutzbehörde mit einbezogen. Bei der Planung der KG 13 wurde ja versucht die Eingriffsschwere zu minimieren. Sofern ich das in der öffentlichen Diskussion richtig mitbekommen habe.

    Bin persönlich froh, dass die Kurve auf der KG 13 bei Garitz entschärft wurde. Das war dringend notwendig. Das ist sinnvolles Planen.

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    1. Das Beispiel KG13 ist eben eines der beiden, die der BN als Muster dieser Überplanung anführt. Dieses Beispiel betrifft uns und ist, wie dargestellt, ein schlechtes.

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