Wir werden immer weniger – eine Einwohneranalyse

Das Hauptproblem der nächsten Jahre in den Kleingemeinden wie Oberthulba wird die Bekämpfung der Landflucht sowie der demographische Wandel sein. Zugespitzt ausgedrückt: Was hilft eine wirklich wunderschöne Gemeinde mit acht Gemeindeteilen, wenn überall nur noch eine handvoll Menschen leben, die zudem einen Altersschnitt um den Renteneintritt aufweisen?

Aber wie sieht es denn eigentlich konkret mit den Einwohnerzahlen aus im Markt Oberthulba? Und wie stellt sich die Situation in vergleichbaren Orten der Region dar? Für diesen Beitrag habe ich einmal die Zahlen zusammengetragen und aufbereitet. Die Quelle für sämtliche Daten ist die Statistik Kommunal des Bayerischen Landesamts für Statistik, also letztlich die amtlichen Zahlen der Kommunalverwaltungen selbst.

Situation in Oberthulba

In der Sitzung des Marktgemeinderats am 10.01.2017 wurden die Zahlen und Entwicklungen für den Markt Oberthulba dargestellt (Quelle oberthulba.de):Einwohnerentwicklung OberthulbaDas zeigt einen deutlichen Rückgang innerhalb einer Elfjahresperiode von -2,55%. Wenn sich dieser Trend fortsetzt, liegt die Einwohnerzahl der Gemeinde im Jahr 2027 bereits um die Marke von nur noch 4.900 Bürgern.

Der Rückgang kommt mittlerweile nicht nur durch das Überwiegen der Sterbefälle zu den Geburten zustande, sondern ist vermehrt der Ausdruck von mehr Weg- als Zuzügen. Es verlassen also mehr Menschen die Marktgemeinde als hierher ziehen.

Zudem ist festzustellen, dass am 31.12.2014 über 41% der Bürger bereits das 50. Lebensjahr überschritten hatten. Ein Großteil der hier lebenden Bevölkerung ist also im letzten Abschnitt des Arbeitslebens angekommen oder befindet sich bereits im Ruhestand. Das ist grundsätzlich einmal nicht weiter tragisch, weil gerade noch in diesem Lebensabschnitt eine große gesellschaftliche Integrität vorhanden ist und sehr viel für die örtliche Gemeinschaft geleistet wird.
Allerdings darf die Generation zwischen 25 und 49, die zumeist voll im Arbeitsleben steht, in keinem aktiven Ort fehlen. Diese stellt im Markt Oberthulba mit ca. 34% immer noch ein Drittel der Bevölkerung dar. Hier darf es jedoch keine weiteren Verschiebung geben, damit eine aktive Gemeinde bestehen bleiben kann. Es wäre eher noch eine Zunahme in diesem Bereich wünschenswert. Dies ist aber natürlich nur durch einen Überschuss an Geburten und/oder einem erhöhten Zuzug möglich.

Vergleich mit den Nachbargemeinden

Für die umliegenden Gemeinde war es leider nicht möglich ohne großen Aufwand an die Zahlen für den Zeitraum von 2006 bis 2016 zu kommen. Aus der Statistik Kommunal sind die Zahlen von 2009 und 2014 teilweise direkt zu entnehmen, teilweise zu errechnen. Das habe ich getan und in einer Tabelle zusammengefasst:

Einwohnerentwicklung Landkreisvergleich

Dabei wird zunächst deutlich, dass Oberthulba zwar zu den Verlierern (also schrumpfenden Gemeinden) gehört, hierunter aber der „Gewinner“ ist. Deutlicher Vorreiter in der Region ist die kleinste eigenständige Gemeinde Aura an der Saale. Wenn es kein einfacher Zufall ist, muss man feststellen, dass man es hier besser verstanden hat, die Leute bei der Stange zu halten.

Für besonders Interessierte gibt es im Übrigen hier auch noch eine interaktive Karte des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), die die wachsenden und schrumpfenden Gemeinden zeigt. (Achtung: Funktioniert in Google Chrome nicht korrekt, ggf. auf einen anderen Browser ausweichen.)
Dabei erkennt man, dass es auf der anderen Landkreis-Seite in Oerlenbach durchaus ebenfalls Wachstum gibt.

Vermeintliche Gründe für den Rückgang

Gerade zum Thema Landflucht, aber auch zum demographischen Wandel, gibt es wohl genügend Ursachenforschung und einige allgemeine Vorschläge dem entgegen zu wirken. Allerdings sind solche Maßnahmen nur beschränkt anwendbar, weil dabei die örtlichen Besonderheiten nicht berücksichtigt sind.

Was sind also konkrete Wege aus dem Bevölkerungsrückgang einer Region wie dem Markt Oberthulba? Dazu wären noch ein paar Daten und Zahlen notwendig, die man sich direkt bei den Bürgern holen sollte. Denn wer sollte besser wissen, was etwa frischgebackene Eltern sich von ihrem Wohnort wünschen als sie selbst?! Ich werde hier in Zukunft zu diesem Thema noch die eine oder andere Umfrage und Erhebung starten, um herauszufinden, was die Bürger im Markt Oberthulba an ihrem Wohnort schätzen und was sie sich wünschen.

Bereits jetzt kann man festhalten, dass wir einiges zu bieten haben:

  • Hervorragende Verkehrsanbindung an Städte und Autobahnen
  • Kurze Wege für den täglichen Bedarf
  • Hervorragende Naherholung (ob mit oder ohne Nationalpark)
  • Zumindest in der Basis ausgewogene Gewerbe- und Betriebsstruktur

Allerdings haben wir natürlich einige Baustellen zu beheben. So fehlt es vor Ort ein wenig an den sog. Freien Berufen und dem Dienstleistungssektor. Auch Teile der gemeindlichen Infrastruktur (insbesondere Ortsstraßen) sind nicht instand gehalten, öffentliche Mülleimer sind verschwunden. Eine in allen Ortsteilen gleiche Beschilderung von Betrieben und Einrichtungen fehlt. Und das sind nur einige Beispiele.

Das Allerwichtigste in meinen Augen wäre aber eine aktive Vermarktung unserer Orte. Man müsste sich besser nach außen verkaufen, in allen Kanälen und auf Dauer. Bau- und Kaufwillige sollten wissen, dass es den Markt Oberthulba gibt und welche Vorzüge wir haben. Junge Familien sollten animiert werden sich hier niederzulassen und wenn sie schon einmal da sind, gleich noch ein paar Einwohner mehr zu „generieren“… 😉

Zusammenfassung

Ein dauerhafter Bevölkerungsrückgang in der bisherigen Größenordnung wäre deutlich spürbar und ist es zum Teil bereits. Das drückt sich nicht nur in leerstehenden Gebäuden aus, sondern vielmehr im aussterbenden Gemeinschaftsleben. Denn das Ehrenamt und Vereinsleben braucht junge Leute um zu funktionieren.

Wir konkurrieren mit allen anderen Kommunen rund um die regionalen Städte und müssen daher vielleicht etwas unternehmerisch denken: Was ist am „Produkt Markt Oberthulba“ gut? Was müssen wir verbessern? Wie können wir es vermarkten?

Ob der Satz nun von Bob dem Baumeister oder von Angela Merkel stammt, er gilt auch für unsere Heimatgemeinde: Wir schaffen das!

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